Philahaus Kiental
Verein Philadelphia
gegründet 1885 in Bern

Geschichte

Das ist eine Frage, die uns oft gestellt wird, aber nicht so schnell mit zwei, drei Sätzen beantwortet werden kann. Ich versuche deshalb, möglichst kurz das Wesentliche dazu zu sagen.

Erstens:

Woher stammt eigentlich der Name in Anlehnung an die bekannte Stadt in Amerika?
Er bedeutet: Brüderlichkeit, Bruderliebe. Der Name wurde von den Vereinsgründern in Anlehnung an die lateinischen Namen der vielen Studentenverbindungen gewählt.

Die Philadelphia wurde am 4.9.1885 in der Stadt Bern gegründet. Bekannte Mitglieder waren unter anderen Rudolf von Tavel, Paul und Theodor von Greyerz und Dr. O. Lauterburg. Der Verein sollte ein Gegengewicht zu den Studentenverbindungen und den Vereinen darstellen, die damals üble Sitten pflegten (Trinkgelage, schlagende Verbindungen). Deshalb war der Hauptzweck die gegenseitige geistige und religiöse Anregung.

Folgender kleiner Ausschnitt aus dem Tätigkeitsprogramm und der Vereinsorganisation in den Zwanzigerjahren soll diese Zielsetzung illustrieren:

Vorträge:

  • Ein Blick in die Welt der Gefangenen
  • Der Philosoph Nietzsche
  • Rückblick auf das Jahr 1924
  • Russland vor 100 Jahren
  • Der Künstler Albrecht Dürer
  • Studienreise nach der tunesischen Sahara
  • Die Gartenstadt-Bewegung in England
  • Die Welthilfssprache Esperanto
  • Ghandi und Jungindien
  • Bilder aus der Vogelwelt
  • Das Königsgrab Tut-anch-Amun

Veranstaltungen:

  • Teeabende
  • Spielabend mit humoristischem Einschlag
  • Besichtigung der Stadttheaterbühne
  • Besichtigung der eidg. Telefonzentrale
  • ganztägige Ausflüge, wie auf die Kaiseregg und nach Murten
  • Schnitzeljagd
  • Nachmittags- und Abendspaziergänge in der Umgebung von Bern
  • In der Bibliothek wurden die Werke folgender Autoren am meisten gelesen: Ganghofer, Rudolf von Tavel, Heer, Heinrich Federer¨

Die Organisation der verschiedenen Vereinstätigkeiten oblag folgenden Vereins-Sektionen
und -kommissionen:

  • Bibliothek-Kommission
  • Berghütten-Kommission
  • Jugendabteilung
  • Musiksektion
  • Berg- und Skisektion
  • Gesangsektion
  • Sektion für religiöse und soziale Tätigkeit
  • Schützensektion
  • Turnsektion

Dem jungen Verein war ein sehr guter Zuspruch vergönnt, da sein Angebot einem Bedürfnis entsprach. Der Mitglieder-Höchstbestand wurde vor und während des 1. Weltkrieges mit 380 erreicht.

Die Philadelphia war für ihre vielfältigen Veranstaltungen im ganzen 1. Stock im Vereinshaus an der Zeughausgasse 39 in Bern eingemietet; zuletzt genügte jedoch nur noch ein Lokal, das 1989 wegen schlechter Auslastung schliesslich auch aufgegeben wurde.

Seit Bestehen der Philadelphia war die Alp Gornern auf Griesalp immer schon ein Zentrum der Vereinsgeselligkeit. Die Hüttenkommission leitete den Betrieb von gemieteten Hütten im näheren Umkreis des heutigen Berghauses - im Laufe der Jahrzehnte waren es vier verschiedene; die Bergsektion organisierte und leitete von dort aus Bergtouren.

Der Bau des eigenen Berghauses 1952 (in Philaheft Nr. 2 / Sommer 1995 beschrieben) sollte dem akuten Mitgliederschwund nach dem zweiten Weltkrieg entgegenwirken. Die Mitgliederzahl nahm dann nicht mehr ab, stagnierte aber auf dem tiefen Stand von rund 80. Der Verein war jedoch überaltert. Junge Mitglieder wurden vom Beitritt abgehalten, da die Phila gemäss Statuten immer noch ein reiner Männerklub war. 1982 endlich wurde durch die überfällige Statutenänderung den Frauen der Zutritt geöffnet. Trotzdem schwankt der Bestand heute zwischen 70 und 80.

Was ist die Philadelphia heute?

Ein Verein, dessen Berghaus das Zentrum bildet. Hauptzweck ist das Angebot von billigen Ferien für die Mitglieder und ihrer Gäste in einer prächtigen Bergwelt und die Pflege der Geselligkeit.

Ruedi Grossenbacher